Guntram Walter

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Guntram Walter

„Ich bin ein visueller Typ, ich beobachte, beobachte, beobachte. Ich begreife die Dinge durch meine Augen.“
(Henri Cartier-Bresson)
„Aber Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen.“ (Uwe Johnson)

Biographie
Guntram Walter, geb. 1963 in Hagen/Westf., Studium der Germanistik/ Philosophie in Düsseldorf,
war und ist Antiquariatsbuchhändler, Medientechnikmanager, Designer, Gästeführer,
Schriftsteller, Blogger, Fotograf und Independent-Verleger.

 

Thema: In anderer Welt
Ich habe es nie verstanden, das der Duisburger Matena-Tunnel so ein stiefmütterliches Dasein führt.
Nämlich nur jeweils vor und nach Schichtbeginn bei Thyssen-Krupp Arbeits- und Heimweg zu sein.
Sonst nichts. Das schien mir immer zu eindimensional. Räume sind auch immer noch etwas Anderes.
Und tatsächlich ist da noch etwas, auf das ich gestoßen bin. Etwa die Parallelwelt des Horst Schimanski,
der die Tunnelröhre häufig zum Katapultieren seiner selbst in etwas Anderes benutzte. Und dann
stieß ich bei meinen Recherchen in Duisburg noch auf weitere, mir bis dato unbekannte Dinge und
Erscheinungen.

Vor Ort – nach der Stilllegung der Tunnelröhre 2013, die wie so oft zuerst als Sanierung ohne jemals
sichtbare Bauarbeiten verkauft worden war – standen zuerst, nur wenige, kaum hinderliche Bauzäune.
Das war am Ende der Matenastraße, am Tor 13. Dahinter ging nie jemand zu Fuß weiter.
Ich aber. Die Zäune, die mittlerweile leider einem Gitterwerk gewichen sind, waren nicht wirklich
ein Hindernis. Nach dem Überwinden dieser betrat ich einen eigenwilligen Raum der Stille und des
grellen Lichtes.

Nach einiger Zeit des Verweilens dort traf ich auf rätselhafte Gestalten und wurde ihrer Interaktionen
gewahr. Wesen mit Masken und Flügeln, mehrere, viele, die beinahe lautlos im Raum waren und sich
bewegten. Spielten Sie? Spielten Sie an einem Ort, der so gar nichts mit Spiel zu tun hatte. Ich weiß
es nicht. Ich kannte die Regeln nicht. Ich konnte aber einige von Ihnen fotografieren. Sie ließen es zu.
Es gibt darüber auch einen kurzen Radiobeitrag in Corso / Deutschlandfunk.

Das ist heute nach der endgültigen Vergitterung der Tunnelröhre nicht mehr möglich. Der Zugang ist
für immer versperrt. Was aus den Wesen geworden ist, weiß ich nicht. Ich denke aber, das das Gitter
für sie nicht wirklich ein Hindernis in und aus ihrer Welt war.


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